Stolpersteine in Dossenheim

 
Auf Initiative der katholischen Pfarrgemeinde Dossenheim haben die Mitglieder des katholischen Pfarrgemeinderats und des evangelischen Kirchengemeinderates auf ihrer jährlichen ökumenischen Sitzung im September 2018 offiziell beschlossen, einen Antrag auf Verlegung von Stolpersteinen in Dossenheim in den Gemeinderat einzubringen.
Bevor der Antrag eingereicht wurde, waren Bürgermeister Hans Lorenz sowie die Sprecher*innen der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen zu einem Gespräch eingeladen, um das gemeinsame Anliegen vorzutragen und darzulegen, dass der Antrag auf einer breiten Basis steht.
Die Initiativgruppe Stolpersteine in Dossenheim ist nicht auf Vertreter*innen des Pfarrgemeinde- und des Kirchengemeinderats beschränkt. Es arbeiten Mitglieder des Heimatvereins, der Gemeindebücherei bzw. des Freundeskreises der Gemeindebücherei Dossenheim e. V. und andere Einzelpersonen mit.
Unser Treffen mit dem Bürgermeister und Fraktionsvertreter*innen verlief äußerst positiv und so stimmte der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am 18.12.2018 einstimmig der Verlegung von Stolpersteinen zu. Das Engagement der Initiativgruppe wurde ausdrücklich gewürdigt.
In einer „ersten“ Stolpersteinverlegung, die für Mai 2020 geplant ist, sollen 10 Gedenksteine (an drei Orten) für die jüdischen Dossenheimer Opfer des Nationalsozialismus gelegt werden. Zu diesen gibt es dank der historischen Arbeit von Christian Burkhart (Dossenheim) und auch von Prof. Joachim Maier (Mitglied unserer Pfarrgemeinde in Schriesheim) sehr detaillierte biografische Lebensbeschreibungen, auf die wir zurückgreifen können.
Ziel der Initiativgruppe ist es über die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus hinausgehend, mittel- und langfristig auch Stolpersteine für Kriegsdienstverweigerer, Zwangsarbeiter, Euthanasieopfer, Homosexuelle und religiös Verfolgte (v.a. Zeugen Jehowas) u.a….  zu verlegen.
 
Kurz vor Ostern 2020 hat uns folgende Nachricht vom Büro Gunter Demnig aus Köln erreicht:
 
Wir haben lange überlegt, wie wir mit der Ausnahmesituation, die aufgrund des sich schnell ausbreitenden Covid-19-Viruses besteht, umgehen sollen und mussten feststellen, dass die aktuelle Lage mittlerweile auch die Verlegung von Stolpersteinen betrifft. 
Wir haben uns aufgrund der aktuellen Lage schweren Herzen dazu entschlossen, die Verlegungen mit Gunter Demnig zwischen dem 20. März und 16. Mai abzusagen. Wir möchten weder Sie noch Gunter Demnig der Ansteckungsgefahr aussetzen und hoffen auf Ihr Verständnis. 
 Wir werden Ihnen die geplanten Stolpersteine zusenden. Sie können nun selbst entscheiden, ob Sie die Steine an dem ursprünglich geplanten Datum verlegen oder einen anderen Tag wählen wollen. Da viele Angehörige aufgrund der Reisebeschränkungen nicht zu den Verlegungen kommen können, wäre es sinnvoll die Verlegung später mit den Anreisenden durchzuführen. 
Gunter Demnig wird leider nicht zu einem späteren Termin kommen können, da sein Terminplan schon bis Mitte 2021 verplant ist. Das heißt, die Verlegungen mit ihm werden sich nicht nach hinten schieben lassen. Wir bitten aufgrund dieser außergewöhnlichen Krisenlage um Ihr Verständnis. 
Wir werden Ihnen, den lokalen Initiativen, die Steine zusenden und bitten Sie, die Steine selbst zu verlegen. Es wäre schön, wenn Sie uns informieren würden, wenn die Steine verlegt wurden und uns Fotos von den der Vorlegestelle zusenden würden.
Wir hoffen, dass sich die Situation bald verbessert und sind in Gedanken bei allen Betroffenen.
Alles Gute von Gunter Demnig und seinem Team
 
Die Stolpersteine konnten somit nicht wie geplant am 09. Mai 2020 verlegt werden, sie sind aber bereits in Dossenheim eingetroffen und wurden von Bürgermeister David Faulhaber und Pfarrer Ronny Baier in Empfang genommen. Bürgermeister Faulhaber bedankte sich bei dieser Gelegenheit bei der Initiative und bekräftigte: "Die Stolpersteine machen ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte sichtbar. Es ist wichtig, daran zu erinnern, aber auch aktiv mitzuwirken, dass sich diese nicht wiederholt".
 
 

Am 17. Juli 2021 konnten die ersten Stolpersteine endlich verlegt werden! 

Bei der Verlegungsfeier nahmen mehr als 100 Personen teil. Pfarrer Ronny Baier skizzierte in seinen einleitenden Worten die Entstehung der Initiative. Bürgermeister David Faulhaber betonte mit dem Aufruf "Nie wieder"  die Bedeutung der Stolpersteine und die Verantwortung eines jeden Einzelnen dafür.

An den jeweiligen Verlegestellen wurden die Biographien der betroffenen Personen verlesen. Mitglieder des Jugendgemeinderates trugen sehr einfühlsam und berührend Gedichte und Beschreibungen aus den Konzentrationslagern und der Deportationen vor. 

Begleitet wurde die Feier von Dagmar Schülke mit ausgewählten Stücken an der Querflöte.

Zum Abschluss sprach Pfarrer Baier ein Gebet sowie den Segen.

Ein Dank an alle, die bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Aktion beteiligt waren und mitgewirkt haben. Die große Anzahl an Teilnehmenden zeigt, wie wichtig diese Aufgabe ist.

Die Initiative wird, wie bereits eingangs erwähnt, fortgeführt.

 

Bilder der Verlegungsfeier finden Sie hier Dossenheim