Pankratius lebte um 300 n. Chr. und war Sohn eines reichen Phrygiers aus dem heutigen Anatolien. Als Christ wurde er zu Zeiten der Christenverfolgungen nach Rom gebracht und dort, gerade einmal 14 Jahre alt, mit dem Schwert hingerichtet. Seine Insignien, mit denen er auch an der Außenfassade der Kirche dargestellt wird, sind das Schwert als Hinweis auf sein Martyrium sowie Palmzweig und Krone, die darauf verweisen, dass Pankratius für seinen christlichen Glauben gestorben ist.
Das dem Altar am nächsten liegende Deckengemälde stellt die Taufe des Heiligen Pankratius dar. Auf dem Gemälde tauft sogar der Papst höchstpersönlich in vollem Ornat mit Papstkrone und Stab, was sicher nicht den historischen Tatsachen entspricht. Hierdurch wird aber die Bedeutung dieser Taufe hervorgehoben. Im Vergleich zu den anderen beiden Deckengemälden, in denen die Öffnung des Raums zum Himmel immer eine besondere Bedeutung spielt, wird die Taufe in einem fast geschlossenen, kirchlich anmutenden Raum dargestellt. Der Raum wird nur indirekt durch die herabschwebenden Engel und den Lichtstrahl von oben geöffnet. Wenn man genau hinschaut, kann man im Hintergrund des Bildes den Schlussstein im Gewölbebogen erkennen, der auffallende Ähnlichkeit mit dem tatsächlichen Schlussstein unserer Kirche im Chorbogen hat. Nicht von ungefähr steht auch im realen Kirchenschiff der Taufstein vorne am Aufgang zum Chor. Ebenso wie auf dem Deckengemälde feiern wir hier im geschlossenen Kirchenraum unsere Taufen. Dem Schlussstein und Taufbecken im Deckengemälde entsprechen Schlussstein und Taufbecken im realem Kirchenschiff und so wird jede unserer Taufen in die lange Tradition der christlichen Taufbekenntnisse gestellt, in der auch unser Kirchenpatron steht.
Springen wir nun zum Deckengemälde über der Orgel, welches das Martyrium des Heiligen Pankratius zeigt. Man hat den deutlich älter dargestellten Vierzehnjährigen (Hinweis auf eine altersuntypische Reife im Glauben?) auf den Richtplatz vor der Stadt Rom geführt, die im Hintergrund durch einen heidnischen Tempel angedeutet ist. Pankratius kniet gefasst und im weißen Gewand auf dem Boden und erwartet mit zu Gott gewandtem Blick den tödlichen Streich durch einen düster gemalten Henkersknecht. Umgeben ist Pankratius von römischen Soldaten und ihrem Hauptmann, der hoch zu Ross, mit wallendem Mantel und dem Adler-Abzeichen des römischen Staates in der Hand die Übermacht und Kraft des heidnischen Kaisers verkörpert. Im Vordergrund weist der römische Gerichtsdiener mit der Urteilsrolle in der Hand auf den Richtblock. Während die Ältesten der christlichen Gemeinde im Hintergrund mit bangen Blicken Abstand halten, brechen in unmittelbarer Nähe der Hinrichtung zwei Frauen in lautes Wehklagen aus: Sie werden sich mit der schon bereitgestellten Schale und dem Leichentuch in den Armen der einen Frau um den Leichnam des Märtyrers kümmern. Anklänge an die Geschichte von Tod und Auferstehung Jesu?
Im Zentrum des Dreiklangs unserer Deckengemälde und gleichzeitig das größte, befindet sich die Verklärung des Heiligen Pankratius. Der Himmel ist weit geöffnet, Engel tragen ihm die Märtyrerkrone zu seiner „Krönung“ entgegen. Die Seele des Heiligen, der nun umhüllt ist von einem blutroten Mantel, Zeichen für das Martyrium und für Gottes Liebe über den Tod hinaus, und von einem strahlenden Heiligenschein, wird von einer Schar kindlich-jubilierender Engelchen in die Höhe gehoben. Stehen oben an der Spitze der Freude über die Überwindung des Todes (Pankratius heißt übersetzt Der alles Besiegende) kindliche Engelsgestalten, so zeigt uns das Gemälde am untersten Ende der Skala, wo noch verzweifelte Trauer über den Tod des Heiligen herrscht, wieder ein Kind. Unten rechts steht es in sich versunken und von seiner Trauer gefangen, während das schon ältere Geschwisterkind bereits den Blick aus dieser Verzweiflung hebt, wenn auch noch unverständig. Auch die Frau auf der Treppe scheint noch zu weinen und nicht zu verstehen, was die aufgeregte Freundin ihr zeigen möchte. Während Mann und Frau in staunender Ehrfurcht bereits anbeten und von einem eifrigen Predigermönch auf den rechten Weg gewiesen werden, sind die Ordensleute und Kleriker im gläubigen Gebet vertieft. Sie müssen nicht mehr sehen, um glauben zu können. In ihrer Mitte vermittelt der Priester – oder ist es der Papst ohne Insignien vom Taufbild?– durch Blick und Geste bittend den Kontakt hinauf in die himmlischen Sphären. Im Brückenbogen darunter stellt die Abbildung der Dossenheimer katholischen Kirche – übrigens der Blick aus der damals noch unbebauten Silbershohl – wieder den Bezug der Legende zum Leben hier und jetzt her.
