Die älteste Schriesheimer Kirche stand oberhalb der "Gäulsbrücke" auf der südlichen Seite des Kanzelbaches. Sie war dem Hl. Vitus geweiht, der auch Schutzpatron des Klosters Ellwangen war, das bereits im 8. Jahrhundert durch eine Schenkung an Schriesheimer Adelsbesitz gelangte. Im Zuge der Stadtgründung im 13. Jahrhundert wurde die Dorfkirche im Tal aufgegeben und eine Stadtkirche am heutigen Platz der Evangelischen Kirche errichtet, auf die man das Vitus-Patrozinium übertrug.
Nach der Reformation war das sogenannte "Simultaneum", ein Erlass des Kurfürsten aus dem Jahre 1698, eine wichtige Station im Miteinander der Konfessionen. Denn danach musste die Stadtkirche, die einzige Schriesheimer Kirche zu dieser Zeit, allen am Ort vertretenen Konfessionen zur Verfügung gestellt werden, was in den folgenden Jahren nicht ohne Streitigkeiten blieb. Die wenigen Schriesheimer Katholiken, die ab 1698 zu einer Pfarrei zusammengefasst waren, erhielten den Chor der Stadtkirche für die Gottesdienste zugeteilt und ihr Pfarrer zog ins Pfarrhaus der reformierten Gemeinde (heutige Sozialstation) ein.
Im Mai 1707 wurde dieser unhaltbare Zustand beendet. Die Reformierten, die die zahlenmäßig stärkste Gemeinde bildeten, erhielten die Stadtkirche zugesprochen. Bereits ein Jahr später war ein Bauplatz für die Katholische Kirche gefunden. Man überließ den Katholiken den Südbezirk der zerstörten Kellerei. Dort wurde auf den Fundamenten der alten Zehntscheuer eine kleine barocke Dorfkirche errichtet, die damals noch keinen Kirchturm, sondern nur einen kleinen Dachreiter erhielt. Das Pfarrhaus wurde erst 1724 erbaut.
Am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, im Jahre 1711 fand die Weihe der neuen Kirche statt. 1744 fügte man einen kleinen Chor an die Ostwand des Kirchenschiffes an, der dann am Ende des 18. Jahrhunderts durch einen größeren Bau ersetzt wurde. Im Jahre 1910 folgte der Anbau eines eigenen Sakristeigebäudes. Erst 1925/27 konnte der Kirchturm an der Westseite des Kirchenschiffes mit Hilfe von Spenden des Schriesheimer Ehepaares Peter und Margaretha Obach, das in die USA ausgewandert war, errichtet werden. Gleichzeitig wurde mit einer Erweiterung des Kirchenschiffes nach Westen begonnen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machte die stetig wachsende Zahl der Gemeindemitglieder eine weitere Vergrößerung des Kirchenschiffes notwendig. So entschloss sich die Pfarrgemeinde 1959 zu einer Erweiterung des Langhauses nach Norden und damit verbunden zu einer Verlegung des Altars in einen neuen Choranbau an der Südwand des Langhauses. Bei dieser Gelegenheit brachte man auch das kleine Sandsteinrelief des Hl. Vitus, das beim Abbruch der mittelalterlichen Stadtkirche 1748 sichergestellt worden war, zur Erinnerung an das Vitus-Patrozinium der ersten Schriesheimer Kirche an der Außenseite des "alten" Chores an.
In den Jahren 1996/97 fand dann die vorerst letzte Sanierung der Kirche statt. Dabei wurde der Chorraum der ehemaligen barocken Kirche zur Taufkapelle umgestaltet und die Altarinsel in ihrer jetzigen Form geschaffen. Neu entstanden ebenfalls die spirituell anregenden Glasfenster der Künstlerin Rosemarie Vollmer. Mit ihrer blau-gelb-weißen Farbgebung verleihen sie dem Kirchenschiff zudem eine freundliche und helle Atmosphäre. Die Fenster an der Nordwand nehmen Bezug auf die Gottesmutter Maria, die anderen stellen die sieben Sakramente dar.
Die katholische Pfarrgemeinde St. Michael in Altenbach ist selbständige Filialkirchengemeinde der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Schriesheim. Zusammen mit der Pfarrgemeinde St. Pankratius in Dossenheim bilden sie seit dem 1.2.2003 die Seelsorgeeinheit Schriesheim-Dossenheim.
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Literatur :
H. Brunn, 1200 Jahre Schriesheim, Mannheim 1964, 21979, 31999
Kleiner Führer durch die katholische Kirche "Mariä Himmelfahrt" in Schriesheim. Hrsg.: Kath. Pfarramt, Schriesheim 1998
Weitere Beiträge zur Katholischen Kirche und Pfarrei im Schriesheimer Jahrbuch, 1. Jg.ff., Schriesheim 1997ff




